Das Mahnmalprojekt Petershauser Bahnhof

2018 hat die Initiative Stolpersteine für Konstanz die Bildung einer gemeinsamen Projektgruppe initiiert, bei der Lehrkräfte des Ellenrieder-Gymnasiums, der Gemeinschaftsschule und des Heinrich-Suso-Gymnasium mitgewirkt haben, um ein von Jugendlichen gestaltetes Mahnmal am Bahnhof Petershausen zu realisieren. Dazu wurde in ganz unterschiedlichen Gruppen wie Arbeitsgemeinschaften, einer “Kunstgruppe”, dem Hegau-Bodensee-Seminar “Spurensuche” aber auch im Unterricht am Erinnerungsprojekt „Mahnmalprojekt Petershauser Bahnhof“ gearbeitet. Gemeinsames Ziel der ab dem Schuljahr 2019/2020 arbeitenden Projektgruppen war am historischen Deportationsort, dem damaligen Güterbahnhof Petershausen, mit einem Mahnmal an die Oktoberdeportation der Konstanzer Juden und Jüdinnen zu erinnern, sich aber auch im Rahmen der Projektarbeit intensiver mit der Geschichte auseinanderzusetzen und auf diese aufmerksam zu machen. Das 2021 eingeweihte, von vier Konstanzer Jugendlichen unter Leitung des Künstlers Harald Björnsgard entwickelte Mahnmal, das am Bahnhof Petershausen an die von dort deportierten 112 Jüdinnen und Juden erinnert, ist auch Teil des Gedenkorts Mahnmal Neckarzimmern. In Neckarzimmern erinnern von Jugendlichen gestaltete Erinnerungssteine, die in Form eines überdimensionalen Davidsternes angeordnet sind, an die 137 von der Oktoberdeportation betroffenen jüdischen Gemeinden Badens. Jeweils ein Zwillingsstein soll in den Gemeinden selbst aufgestellt werden. Bereits 2008 hatten Schüler*innen des Ellenrieder-Gymnasiums einen Gedenkstein in Neckarzimmern aufgestellt, doch wurde erst im Rahmen dieses Projekts der zweite Gedenkstein von einer neuen Generation Jugendlicher entwickelt und fertiggestellt.

An der Realisierung des Projekts waren unterschiedliche Projektgruppen beteiligt:

In der Kunstgruppe unter Leitung des Bildhauers Harald Björnsgard und Petra Quintini (Initiative Stolpersteine für Konstanz) wurden ausgehend von unterschiedlichen Ideen mehrere Entwürfe angefertigt und schließlich für das realisierte Modell der Taube eine Gussform erstellt, die in einer Münchner Gießerei gegossen wurde. In der Werkstatt von Harald Björnsgard unterstützten die beteiligten Jugendlichen die anstehenden handwerklichen Aufgaben wie Schweißarbeiten an dem Sockel aus Cortenstahl und die Bearbeitung des Rohgusses der Taube, mechanisch sowie mit Hitze und Farblösungen. Für die im Oktober und November 2021 zu sehende Ausstellung Gurs1940 erstellte die Kunstgruppe auch zwei Ausstellungstafeln.

Im Hegau-Bodensee-Seminar unter Leitung von Manuel Boxler (Heinrich-Suso-Gymnasium) und Petra Quintini (Initiative Stolpersteine für Konstanz) wurden über zwei Schuljahre ausgewählte Biografien Konstanzer Juden und Jüdinnen recherchiert, unterschiedliche Quellen bearbeitet und der Kontakt zu Angehörigen gesucht. So konnte die Biografie einer am 22. Oktober 1940 aus Konstanz deportierten Jugendlichen, Renée Stein, recherchiert und ein Stolperstein für sie verlegt werden. Diese Gruppe hat auch den Text für das Mahnmal formuliert und für den regionalen Teil der Ausstellung Gurs1940 zwei Tafeln zu den Biografien der deportierten Kinder und Jugendliche gestaltet.

Die Reiseklasse des Ellenrieder-Gymnasiums hat in Begleitung der Lehrkräfte Anette Dach und Peter Hipp (beide Ellenrieder-Gymnasium) im Oktober 2019 das Lager Rivesaltes besucht und dort auf dem Friedhof gearbeitet. Die dort gemachten Erfahrungen und Eindrücke teilten die Jugendliche bei den Begegnungen mit den anderen Projektgruppen. Zwei Schülerinnen dieser Klasse wurden Teil der Kunstgruppe und haben das Mahnmal mitgestaltet. Im Unterricht wurden zwei Ausstellungstafeln zur Reise nach Rivesaltes und dem Mahnmalprojekt für den regionalen Teil der Ausstellung Gurs1940 erarbeitet.

Engagierte Schüler*innen unterschiedlicher Jahrgänge der Gemeinschaftsschule beteiligten sich unter Anleitung von Stephan Beilharz in der Arbeitsgruppe Gedenkfeier und halfen bei der Planung und Ausgestaltung der Gedenkfeierlichkeiten zum 22. Oktober 2021, bei der Gestaltung der Flyer und bei der Organisation und Durchführung des Gedenkweges.

Schließlich unterstützte Wolfgang Kleiner vom Alexander-von Humboldt-Gymnasium mit Schüler*innen die Planung und Durchführung des Gedenkweges, bei dem Schüler*innen unterschiedlicher Konstanzer Schulen sowie Studierende der Universität Konstanz mitwirkten.

Alle genannten Akteur*innen unterstützten Aufbau und Durchführung der begleitenden Ausstellung Gurs1940, die vom Haus der Wannseekonferenz gestaltet wurde und in einem Zelt auf dem Sportplatz des Suso-Gymnasiums aufgebaut wurde (Ausstellungszeitraum 21. Oktober bis 18. November 2021).

Die Koordination und Leitung des Gesamtprojekts lag bei Katrin Brüggemann und Petra Quintini, beide Initiative Stolpersteine für Konstanz.

Organisation Gedenkfeierlichkeiten am 22. Oktober 2021

Der Ablauf und die Organisation des Gedenkweges sowie der Mahnmalenthüllung und Gedenkfeier am Alemannenplatz wurden über Monate gemeinsam von der Arbeitsgruppe Gedenkfeier vorbereitet. Hier arbeiteten Katrin Brüggemann, Alex Hanßmann und Petra Quintini (Initiative Stolpersteine) zusammen mit den Lehrkräften Stephan Beilharz (Gemeinschaftsschule Gebhard), Wolfgang Kleiner (Alexander-von-Humboldt-Gymnasium) und den Jugendlichen Luljeta, Mitra, Pauline, Maja und Gemma. Die Lesungen an den Stationen wurden von Romana Lautner (Dramaturgin) und den Schauspielern Julian Mantaj und Jonas Pätzold vom Stadttheater Konstanz mit den Jugendlichen vorbereitet und eingeübt.

Musikalische Begleitung der Gedenkfeier

Alex Hanßmann, Mitglied der Stolpersteininitiative und der Südwestdeutschen Philharmonie, initiierte und organisierte die musikalische Begleitung der Gedenkfeier und stellte das Ensemble zusammen, Christian Nagel arrangierte die Lieder, die internierte jüdische Musiker in Gurs komponiert haben. Es wirkten mit:

Inga Schäfer, Mezzosopran, Theater Freiburg
Katharina Vogt, Violine, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz
Mio Hanßmann, Querflöte und Klavier, Gemeinschaftsschule Gebhard
Stefan Mölkner, Kontrabass, Musikschule Konstanz
Christian Nagel, Klavier und Arrangement, Professor für Klavier an der Musikhochschule Freiburg Alex Hanßmann, Englischhorn, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

Wir bedanken uns für die Unterstützung und Kooperation bei:

Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, Amt fürtadtplanung un Sd Umwelt Konstanz, Ellenrieder-Gymnasium, Gemeinschaftsschule Gebhard, Harald Björnsgard, Heinrich-Suso-Gymnasium, Hochbauamt Stadt Konstanz, Florence Manger, Miriam Leue & das Team von INNOTIO, Prof. Dr. Jürgen Klöckler, Kulturamt der Stadt Konstanz, Lisa-Marie Zirlewagen, Stadt Konstanz, Stadtarchiv Konstanz, Stadttheater Konstanz, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, Rabbiner Radbil, Synagogengemeinde Konstanz, Teilnehmende und Leitung des Hegau-Bodensee-Seminars „Spurensuche“, Teilnehmende und Leitung der „Kunstgruppe“, Till Hastreiter und Prof. Dr. Erhard R. Wiehn.

Links

Initiative Stolpersteine für Konstanz - Gegen Vergessen und Intoleranz

Harald Björnsgard

Gurs1940